Ablaufrinnen bei Duschen, Problematik und Möglichkeiten?

Erich Mathä (Sachverständiger Heizung und Sanitär)

Leider gibt es zum Einbau von Ablaufrinnen bei Duschen keine eindeutige Regelung in den einschlägigen Normen und wird deswegen selbst in Fachkreisen über den fachgerechten Einbau durchaus kontroversiell diskutiert.

Wenig verwunderlich, dass es bei derartigen Ablaufsystemen immer wieder zu Schäden und folglich zu Streitigkeiten kommt.

Sachverständiger Heizung Sanitär Haustechnik Erich Mathä Fachartikel Ablaufrinnen bei Duschen - bodengleicher Einbau
Bildquelle: TECE
Sachverständiger Heizung Sanitär Haustechnik Erich Mathä Fachartikel

Erich Mathä, allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger.
www.sv-haustechnik.at 

Der Einbau von Duschabläufen in bodengleichen, gefliesten Duschen erfordert eine gewerksübergreifende Planung bzw. Koordination. Hier stoßen zumindest drei Gewerke aufeinander, der Installateur, der Estrichleger und der Fliesenleger. Koordinationsgespräche wären zwar in diesem Fall angezeigt, kommen aber in den meisten Fällen zu kurz. Den Stein zum fachgerechten und dichten Einbau einer Dusch-Ablaufrinne bringt meist der Haustechnikplaner oder der Installateur ins Rollen. Sofern sich der Kunde für eine bodengleiche Dusche entscheidet - welche mittels einer Dusch-Ablaufrinne entwässert werden soll - fängt der Kampf, die richtigen Schritte zu setzen bereits an. Der Installateur hat jetzt die Wahl welche Duschrinne er verwendet. Es stehen durchaus zahlreiche Varianten mit all ihren Vor- und Nachteilen zur Verfügung. Es ist jedoch für den Installateur nicht einfach, sich für das richtige Produkt zu entscheiden. Denn kann er es mit seiner Entscheidung allen folgenden Gewerken recht machen?

 

Es gibt jede Menge feiner Unterschiede unter den verfügbaren Produkten. Im Wesentlichen unterscheiden sie sich jedoch darin, wie die Entwässerung der Abdichtung unter dem Fliesenbelag erfolgt und ob diese überhaupt entwässert werden kann. Jene Dusch-Ablaufrinnen, welche eine dichte Aufkantung bis zur Oberkante der Fliesen haben, können durch undichte Fugen eindringendes Sickerwasser nicht in die Rinne entwässern. Ablaufrinnen welche keine Aufkantung haben, können zwar Sickerwasser zum Teil in den Rinnenkörper entwässern, es fließt aber bei jedem Duschvorgang Duschwasser unter die Fliesen und reichert sich der Fliesenkleber über Kapillarwirkung mit Duschwasser an. Es gibt Versuche, anhand dieser festgestellt wurde, dass sogar Ablaufrinnen ohne Aufkantung bei jedem Duschvorgang mehr Wasser uner die Fliesen leiten als es bei einer undichten Fuge der Fall ist.

Sachverständiger Heizung Sanitär Haustechnik Erich Mathä Fachartikel Ablaufrinnen bei Duschen
Sachverständiger Heizung Sanitär Haustechnik Erich Mathä Fachartikel Ablaufrinnen bei Duschen
Bildquelle: TECE

Obwohl die Normen, welche Bauwerksabdichtungen behandeln, durchwegs Sekundärentwässerungen bei Bodenentwässerung verlangen, dürfte genau das bei Duschrinnen kontraproduktiv sein. Damit nicht mit Seife und Hautschuppen verunreinigtes Duschwasser unter den Fliesenbelag in den Kleber gelangen kann, müsste bei Ablaufrinnen, welche über keine Aufkantung verfügen, der Spalt zwischen Rinne und Fliese abgedichtet werden. Die Sekundärentwässerung kann dann aber nicht mehr arbeiten. Aus der beschriebenen Situation haben beide Ablaufrinnen (mit und ohen Aufkantung) ihre Vor- und Nachteile. Mangels fehlender Regelungen in den Normen liegt die Chance, dass der Installateur eine Ablaufrinne auswählt, welche hernach allen nachfolgenden Handwerkern entspricht, bei 50%. Das ist selbstverständlich eine äußerst unbefriedigende Situation, da ist es nur verständlich, dass das Verlangen der von dieser Problematik betroffenen Branchen, nach einer eindeutigen Regelung und geeigneter Produkte laut wird.

Bis zu einer normativen Relegung könnte mit einer möglichst hohlraumfreien Verlegung der Fliesen im sogenannten Floating-Buttering-Dünnbettverfahren mit Verbundabdichtung gearbeitet werden. Bei hohlraumfreier Verlegung kann sich bei rissigen Fugen während eines Duschvorganges nur sehr wenig Duschwasser unter dem Fliesenbelag verteilen. Respektive trocknet dies in den unbenützten Stunden der Dusche wieder aus. Eine Sekundärentwässerung würde sich bei diesem Verlegeverfahren erübrigen und könnte bedenkenlos eine Ablaufrinne mit Aufkantung verwenden werden. Ja, es würde die fortwährend geführten Diskussionen um die zwingende Möglichkeit der Sekundärentwässerung ad absurdum führen. Auch der Ruf nach Ablaufrinnen, welche eine - durchaus nicht unproblematische Sekundärentwässerung zulassen - würde verstummen.

Wesentlich klarer sollte die fachgerechte Einbindung einer Dusch-Ablaufrinne in die Verbundabdichtung gemäß ÖNORM B 2207 sein. Auch da liegen die ersten Schritte beim Installateur, welcher die Dusch-Ablaufrinne auswählt. Dementsprechend sorgfältig sollte er dabei vorgehen. Denn Ablaufrinnen müssen die Möglichkeit mit sich bringen, dass diese nach dem Einbringen des Gefälleestrichs (Vorsicht, keine Untergründe aus gips- oder calciumsulfatgebundene Estriche verwenden) durch den Fliesenleger in die Verbundabdichtung dicht eingebunden werden können. Es ist darauf zu achten, dass nicht nur der Boden, die Wand und auch die Ecken mit Dichtanstrich und Dichtbändern versehen werden, sondern ist auch der Übergang zwischen Ablaufrinne und Estrich mit Abdichtbändern zu versehen. Der Dünnbettflansch der Ablaufrinne muss mittels Dichtband dicht und umlaufend mit dem Gefälleestrich verbunden werden. Erst nach gründlicher und lückenloser Verbundabdichtung unter Verwendung der nötigen Dichtbänder kann die Verfliesung der Wand- und Bodenflächen erfolgen.

Zuletzt bleibt die Frage über das Mindestgefälle (ÖNORM B 2207) mit welchem der Gefälleestrich eingebracht werden muss. Dazu gibt es zum Glück in den Normen eindeutige Aussagen, welche bei gezielter Entwässerung von einem Gefälle von 2% sprechen. Um ein Reißen des Gefälleestrichs zu verhindern ist das Gefälle bereits bei der Dämmbeschüttung zu berücksichtigen. Zur Vermeidung von Pfützenbildung und dadurch verstärktes Eindringen von Duschwasser in den Untergrund sind 2% erforderlich, sollte aber aufgrund steigender Rutschgefahr auch nicht wesentlich überschritten werden.

 

Der Verfasser:

Erich Mathä
allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger
www.sv-haustechnik.at

Erstellungsdatum: 11.11.2014
 
Den gesamten Artikel finden Sie hier zum Download.

Hier zum Download: Neueste Erkenntnisse des OFI zur Sekundärentwässerung (Bericht ergänzt am 13.09.2017)


 

 

 

 


Um die Suche zu erleichtern, stelle ich folgende zusätzliche Suchbegriffe zur Verfügung: Hauswasserversorgung, Wasserversorgung, Installation, Notüberlauf, Notüberläufe, alternative Energie, Luftwärmepumpen, Luftwärmepumpe, Vorlauftemperatur